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Wandern zum Leuchtturm am Cap Formentor

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Auf den historischen Pfaden der Leuchtturmwärter am Cap Formentor

Beschreibung der Wanderung

Wir starten diese mittelschwere Tour vom Parkplatz bei Kilometerstein 13 an der Straße Ma-2210. Vom großen Schotter-Parkplatz aus gehen wir einen knappen Kilometer der Straße folgend bergauf, Richtung Cap Formentor, bis zum Tunnel, der den Berg El Fumat durchsticht. Linkerhand begleitet uns die Bucht Cala Figuera eine Weile auf unserem Weg. Vor dem Tunnel fällt uns links eine schmale, steile Treppe auf, die als Abkürzung von den Arbeitern errichtet wurde, die Mitte des 19. Jahrhunderts den „Camí Vell del Far“ anlegten, auf dem wir später unterwegs sein werden. Von der Begehung ist jedoch abzuraten, da weite Teile ungesichert sind und die hier vorherrschenden, zum Teil starken Winde gefährlich sind.

Im Tunnel (Tipp: Links gehen, der Gefahr ins Auge sehen) kommen unsere Taschenlampen zum Einsatz, damit uns Auto- oder Radfahrer wahrnehmen können. Kurz nach dem Tunnel, nach zirka 200 Metern, befindet sich rechts ein Schild: „Finca Cala Murta, Propiedad privada“. Hier zweigt ein schmaler, zunächst schlecht sichtbarer Pfad ab, der Camí Vell del Far, der historische Weg der Leuchtturmwärter. Bereits von unten kann man weiter oberhalb schon die kunstvoll angelegten Serpentinen und Kehren sehen, die am Berg entlang zum Pass hinaufführen.

Nach einer halben Stunde haben wir den ersten Sattel, Coll de sa Creu (242 Meter), erreicht. An dem Sattel zweigt, mit Steinmännchen und roten Punkten markiert, der Weg auf den Gipfel des Fumat (334 Meter) ab. Für den Auf- und Abstieg sollte man trittsicher und schwindelfrei sein und eine gute dreiviertel Stunde für Hin- und Rückweg einplanen. Die Aussicht von dort auf die Halbinsel Formentor, die Buchten von Pollença und Alcúdia, die Halbinsel Sa Victòria, die Halbinsel Ferrutx und auf die Serra de Tramuntana ist fantastisch.

Zurück an dem beschriebenen Sattel, folgen wir dem angelegten Weg in unzähligen Kehren bergab, bis wir ein ebenes Stück erreichen, von dem aus wir in ebenso vielen Kehren wieder bergan steigen. Oben angekommen erreichen wir eine Art Schneise, Coll de la Bretxa, zwischen zwei Felsen, durch die der Wind mächtig pfeifen kann.

Weiter geht es, nun wieder bergab, auf dem mauergestützten Serpentinenpfad. Dieser Weg zum Leuchtturm am Cap Formentor wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Transportweg angelegt. Mithilfe von Mulis wurden Steine und andere Baumaterialien, die mit Schiffen zur Cala Murta gebracht wurden, weiterbefördert. Von Januar 1857 bis September 1859 waren 200 Arbeiter mit der Errichtung des Camí Vell del Far beschäftigt. Der Leuchtturm selbst wurde am 30. April 1863 in Betrieb genommen.

Aufgrund der widrigen Umstände des Baus, nicht zuletzt wegen der schweren Erreichbarkeit, gab der damalige Bischof von Mallorca eine Bewilligung zur Sonntagsarbeit. Heutzutage ist dieser Leuchtturm einer von 15 noch in Betrieb befindlichen Leuchttürmen Mallorcas. Cap de Formentor ist das östliche Ende der gleichnamigen Halbinsel Formentor und der nördlichste Punkt Mallorcas. Die Mallorquiner nennen die Halbinsel ganz zu recht auch „Treffpunkt der Winde“. Die Straße, die von Port de Pollença zum Leuchtturm führt, wurde von dem italienischen Ingenieur Antonio Paretti, der auch die Straße nach Sa Calobra plante, im Jahre 1857 gebaut.

Vom Coll de la Bretxa kann man zwischen den Terrassen absteigen oder im Zickzack den langen Kehren folgen. In keinem Fall sollte man sich Abkürzungen selbst suchen. Solche beschädigen die in Trockensteinbauweise angelegten Mauern. Die Technik für diese ohne Mörtel errichteten traditionellen Mauern wurde bereits zu Zeiten der arabischen Herrschaft auf Mallorca eingeführt. Durch Begehung werden die Steine gelockert und stürzen irgendwann ab, wie man an vielen Stellen des Weges leider bereits sehen kann.

Das Gelände ist karg, mit viel Dissgras bewachsen. Je weiter wir hinabsteigen, desto mehr Bäume prägen das Gebiet. Der Weg ist teilweise schon stark eingewachsen und wird häufig sehr schmal. Er ist immer eindeutig, bis auf eine Stelle, an der eine Pinie umgefallen ist. Ein Steinmännchen weist den Weg. Wenn man immer den Trockensteinmauern folgt, ist man auf dem richtigen Pfad. Wir schrauben uns beständig bergab. Schließlich gelangen wir an einen Zaun, der den alten Leuchtturmwärterweg durchschneidet und zu einem Anwesen gehört, welches wir später von der Bucht aus sehen werden. Hier hangeln wir uns steil hinunter bis ins Tal. Wir gelangen auf die Asphaltstraße, die die Cala Murta mit der MA-2210 verbindet. Wir halten uns links und gehen an dem verschlossenen Tor zu dem genannten imposanten Anwesen rechts -vorbei an den Strand der Cala Murta, einem der schönsten Naturstrände Mallorcas.

Die Halbinsel von Formentor, und damit auch die Cala Murta, gehörte ehemals dem Dichter Miquel Costa i Llobera. Er war ein wichtiger Vertreter der Dichtkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und seine Gedichte sind eng mit der Landschaft rund um die Halbinsel von Formentor verknüpft, vor allem durch das Gedicht “El pi de Formentor” (Die Pinie von Formentor). Als er verstarb, wurde die Halbinsel in unterschiedliche Parzellen aufgeteilt. Die Stiftung Rotger Villalonga hat sich dem Erhalt seiner Werke verschrieben und verwaltet den Lehrstuhl, der seinen Namen trägt. Seit 1934 organisiert die Stiftung jedes Jahr im Oktober eine Ehrung in Cala Murta.

Die Bucht ist ein idealer Rastplatz, zahlreiche Picknickbänke laden dazu ein. Von der rechten Seite der Bucht aus lohnt sich ein 20-minütiger Spaziergang (hin und zurück) über Treppchen und Waldwege bis zum Aussichtspunkt Es Castellet. Am Tag der hier beschriebenen Tour, am 18. März 2018, haben wir von dort aus Delfine gesehen!

Zurück vom Aussichtspunkt Es Castellet gehen wir von der Bucht der Cala Murta zur Asphaltstraße und folgen ihr sanft bergauf. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir eine Ansammlung verschiedener Gebäude und ein verlassenes Ferienheim, die Cases de Cala Murta.

Es wird schließlich ein verschlossenes Eisentor erreicht, das man links durch eine kleine Pforte umgehen kann. Rechterhand sieht man ein schönes Anwesen, den Sitz der oben beschriebenen Stiftung Rotger Villalonga. Es beherbergt ein Museum, welches zwischen Mai und November von Montag bis Samstag zwischen 9 und 13 Uhr besichtigt werden kann. Geradeaus die Strasse hinauf, stehen wir nach wenigen hundert Metern an der Kreuzung zur Ma-2210. Rechts hoch haben wir schnell wieder unseren Parkplatz erreicht.

Anfahrt von Palma: 

Auf der Ma-13 Richtung Alcúdia, bei der Ausfahrt Sa Pobla auf der Ma-2200 nach Pollença und Port de Pollença. Von dort auf der Ma-2210 Richtung Cap de Formentor bis zu Kilometer 13. Großer Parkplatz vorhanden. Es ist keine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Für die Sommersaison 2018 soll die Zufahrt zum Leuchtturm ab dem Hotel Formentor für Privatautos gesperrt werden. Von dort und von Port de Pollença aus wird ein Pendelverkehr eingerichtet. Wann das so sein wird und ob es an dem genannten Ausgangspunkt eine Haltestelle geben wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Tourencharakter:

Am Anfang Anstieg auf Asphaltstraße mit Durchquerung eines Tunnels (Taschenlampe mitnehmen!), danach auf felsigen Pfaden und über Gestein. Wenig Schatten. Für den Auf- und Abstieg zum und vom El Fumat ist Tritt-sicherheit notwendig.

Ausrüstung:

Bergschuhe, Wasser, Proviant, Sonnenschutz, Taschenlampe.

Wegstrecke

10 km

Nettogehzeit

3 Stunden

Höhenunterschied

340 m

Schwierigkeitsgrad

Drei von vier

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