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Giftschlangen auf Mallorca?

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Foto: (c) Wikipedia/Haplochromis

Ein regnerischer Tag vor 2,6 Millionen Jahren: Etwas raschelt im Unterholz an einem See an der Nordostküste Mallorcas. Zum Vorschein kommt eine riesige Giftschlange, mehr als zwei Meter lang, die auf der Suche nach Fressbarem über die Insel schlängelt. Plötzlich löst sich, durch den tagelangen Regen  aufgeweicht, ein Teil des Seeufers und begräbt die Schlange unter sich.
Natürlich kann niemand sagen ob es sich wirklich so zugetragen hat, Fakt ist, im Jahr 2010 fanden Wissenschaftler die versteinerten Wirbelkörper der vermutlich größten Giftschlange Europas in der Fossilienlagerstätte in der Nähe von Caló d’en Rafalino auf dem Gemeindegebiet von Manacor.

Nach der Größe der untersuchten Knochen dürfte das Tier eine Länge von mehr als zwei Metern gehabt haben. Wahrscheinlich war sie zu ihrer Zeit das größte Raubtier auf der Insel. Sie ist die einzige bisher bekannte Vertreterin ihrer Art im westlichen Mittelmeergebiet.

Vermutlich kamen ihre Vorfahren vor 5,3 bis 5,6 Millionen Jahren auf die Insel. Zu dieser Zeit gab es eine Landbrücke zum Festland. Kaum vorstellbar: Das Mittelmeer, so wie wir es kennen, war ausgetrocknet, weil die Verbindung zum Atlantik an der Straße von Gibraltar unterbrochen war. Stattdessen lag dort ein riesiger Salzsee. Die Balearen, die eigentlich die Bergspitzen auf einem Hochplateau eines unterseeischen Gebirges sind, das mit der Betischen Kordillere, einem Gebirgszug zwischen Murcia und Granada verbunden ist, ragten vom Grund des Sees etwa 4.500 Meter in die Höhe.

Über diesen Weg hat ein vermutlich viel kleinerer Vorfahre der mallorquinischen Riesenschlange das Gebiet um die Balearen erreicht.  Vor etwa sechs Millionen Jahren brach die  Steinbarriere bei Gibraltar und das Atlantikwasser ergoss sich in einer gigantischen Flut in das Mittelmeerbecken und die Balearen wurden wieder zu Inseln.

Nun setzte bei dem Reptil ein Phänomen ein, das als Inselriesen- beziehungsweise Zwergwuchs bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung die sich in begrenzten Lebensräumen abspielt und dazu führt, dass große Säugetiere, wie etwa Elefanten, die es übrigens auch einmal auf Mallorca gab, sehr klein werden, während Reptilien und kleine Säugetiere zum Riesenwuchs neigen.

Auch der berühmte Myotragus, eine Antilopenart, ist wohl erst auf der Mallorca zu einer Zwergform geworden. Den  Myotragus gab es sogar noch vor zeitgeschichtlich  relativ kurzer Zeit, er wurde erst von den Menschen um 2000 vor Christus ausgerottet.

Aber zurück zu Mallorcas Schlangen: Die Giftschlange deren Vorfahren nur etwa einen Meter lang waren, erreichte auf Mallorca eine Länge von mehr als zwei Metern. Für Giftschlangen ist das eine beachtliche Größe, wahrscheinlich handelte es sich um die größte Art, die jemals in Europa gelebt hat. Für die Urlauber heute ist sie aber keine Gefahr mehr, denn sie ist bereits seit Urzeiten ausgestorben. Aber auch heute gibt es noch mindestens zwei Schlangenarten auf Mallorca, von denen eine sogar giftig ist.

Da ist zum einen die Vipernatter, eine ungiftige Schlange und die kleinste der europäischen Wassernattern. Sie erreicht nur eine Länge von 60 bis 100 Zentimetern. Ihren Namen hat sie, weil sich auf dem Rücken oft ein vipernähnliches Zickzackmuster befindet. Sie hält sich gerne in der Nähe von Wasser auf und kann ausgezeichnet schwimmen und tauchen. Sie lebt vor allem von Fischen, Amphibien und ihren Larven.

Damit stellt sie im Tramuntana-Gebirge ein Problem dar, da sie auch Jagd auf die seltene und nur auf Mallorca vorkommende Balearen-Geburtshelferkröte macht. In den Gebieten in denen die winzige Krötenart laicht, versucht man daher die Vipernatter einzudämmen.

Wenn man aber nicht gerade eine Amphibie ist, braucht man die Schlange nicht zu fürchten, denn obwohl sie mit Zischen, Scheinbissen und der Abgabe von übelriechenden Sekreten eindrucksvoll droht, ist sie völlig harmlos.
Man findet sie häufig in der Nähe der Stauseen.

Es gibt gelegentlich auch Berichte, dass auf Mallorca Ringelnattern gesichtet worden wären, allerdings kann es sich hierbei auch um Verwechslungen mit der Vipernatter handeln.

Zum anderen gibt es auf der Insel allerdings auch noch die Kapuzennatter. Diese kleine, kräftige Schlange wurde schon vor längerer Zeit nach Mallorca eingeschleppt und fühlt sich hier pudelwohl. Sie gehört zur Familie der Trugnattern und lebt im Flach- und Hügelland vor allem in trockenen, mit Büschen bewachsenen Gebieten. Sie ist oft an Steinmauern und Häuserruinen anzutreffen und macht nachts und in der Dämmerung  Jagd auf Eidechsen und Geckos.

Ihre Opfer lähmt sie mit ihrem Gift, das innerhalb von wenigen Sekunden wirkt.

Kaputzennattern können auch Menschen beißen, allerdings ist das Gift relativ ungefährlich und kommt in der Regel durch die weit hinten stehenden Giftzähne nicht zum Einsatz. Bissunfälle sind zudem sehr selten.
Es gibt also keinen Grund sich vor den einheimischen oder zumindest schon länger eingebürgerten Schlangen zu fürchten. Wären da nicht die Gartenbesitzer und deren Wunsch möglichst schöne, alte und knorrige Olivenbäume zu besitzen.

Diese Bäume werden oft für viel Geld vom Festland auf die Insel gebracht. Und als blinde Passagiere kommen Schlangenarten nach Mallorca, die dort nun wirklich nichts zu suchen haben.

Seit einigen Jahren breitet sich eine bis zu 1,80 m lange, auf Mallorca bisher unbekannte, Schlangenart bei Capdepera aus. Für den Menschen ist sie zwar offenbar nicht gefährlich, aber für die Kleintierwelt stellt sie eine große Gefahr dar und bedroht das Ökosystem.

Es ist also durchaus möglich, dass vom spanischen Festland irgendwann einmal auch eine Schlangenart eingeschleppt wird, die auch für den Menschen gefährlich werden kann. Denn dort gibt es  Stülpnasenottern, Kreuzottern und sogar Aspisvipern, deren Gift unter Umständen sogar zum Tod führen kann …

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