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Was war dieses Jahr los am Ballermann auf Mallorca?

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Playa de Palma Kölsche Wochen

Auch in diesem Jahr war am sogenannten Ballermann an der Playa de Palma auf Mallorca nicht viel los oder doch mit neuen Ideen?

Die Saison ist in diesem Jahr auf Mallorca, auch wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, etwas schleppend gestartet. Viele Urlauber Hochburgen, wie zum Beispiel Magaluf, hatten bis in die Hochsaison hinein tote Hose. Im Gegensatz dazu kam die Tourismuswirtschaft an der Playa de Palma schnell in Gange. Zunächst rollte die Saison bedingt durch die strengen Corona-Regelungen langsam an, dann erschien sie kurzzeitig exzessiv, erfuhr einen kleinen Dämpfer im Juli durch die steigende Inzidenz, um dann noch einen Höhepunkt im September zu erleben. Selbst jetzt am Ende der Saison ist jede Liege am Strand besetzt. Die Restaurants sind voll bis Mitternacht. Jetzt erhofft man sich noch einen kleinen Schub durch die Herbstferien in Deutschland, bevor dann im November fast überall die Lichter ausgehen.

Die Politik nutzt Corona gegen den Partytourismus

Die Politik auf Mallorca wird es freuen. Schon seit Jahren kommunizieren die Politiker, dass der Partytourismus schon lange nicht mehr auf Mallorca willkommen ist. Corona war da ein willkommener Grund, um die Partyhochburgen wie der Bierkönig und der Mega Park geschlossen zu halten. Der balearische Tourismusminister Iago Negueruela sieht es als eine seiner „wichtigsten Herausforderungen“ für die kommenden Jahre an, den Exzess-Tourismus zu unterbinden. Er wolle damit die Qualität in bestimmten touristischen Zonen der Inseln erhöhen. Das erklärte der Politiker in einem Interview mit der Agentur Europa Press. Allerdings räumte Negueruela auch ein, dass es „schwierig“ sei, das Problem in den Griff zu bekommen. Der Sozialist weist darauf hin, dass der Sommer 2021 bezüglich des Exzess-Tourismus anders gelaufen sei als in der Vergangenheit. Alles sei „viel kontrollierter“ gewesen. Nun will der Minister verhindern, dass Urlauber, die in den Ferien nichts anderes machen wollen, als sich hemmungslos zu betrinken, ihr Comeback feiern, wenn die Corona-Pandemie überstanden ist. Eine gesetzliche Basis habe die Balearen-Regierung bereits Anfang des vergangenen Jahres geschaffen.

Eine Chance für die Kleinen

In diesem Jahr profitierten vor allem die Kleinen von der Schwäche der Großen. Während die einen hart eingeschränkt wurden, gab es für die anderen sogar Privilegien. So konnten die Außenkapazitäten auf Parkplätze ausgeweitet werden. Nicht nur Kult-Läden wie Zur Krone oder Deutsches Eck waren von morgens bis nachts prall gefüllt. Die Suche nach einem Sitzplatz war phasenweise aussichtslos. Jahrzehntelang wurde das Münchner Kindl unter „ferner liefen“ geführt. Das änderte sich erst 2020 nach der ersten Welle. Das Kindl bot als einzige Location an der Playa wieder Liveauftritte von Party-Künstlern, während Megapark und Bierkönig zublieben. So etablierte sich das bayerische Spezialitäten-Restaurant als neue Begegnungsstätte heimatloser Ballermänner. 2022 möchte Wirtin Gerlinde Weininger das Konzept fortführen, sucht deshalb eine größere Location.

Das Bild an der Playa de Palma ändert sich

Das Epizentrum hat sich verlagert. Bedingt durch Corona-Maßnahmen und Kapazitätsbegrenzungen verlor die Schinkenstraße fast vollständig ihren Reiz, ebenso der „Strip“ zwischen Megapark und Bierkönig. Die Szene verlagerte sich ein paar Hundert Meter weiter und feiert nun zwischen Latino Bar und Bierstraße zwischen den Balnearios 7 und 8.

2016 riefen die Ferrer Brüder Mica und Juan Palma Beach ins Leben. Das Motto: weniger Ballermann, mehr Miami Beach. Fünf Jahre später ist das Gesicht der Playa tatsächlich ein anderes. Dabei ragen besonders die Ferrer-Läden heraus: Das Bikkini Beach ist vielleicht das schönste Restaurant der Playa. Das Chalet Siena am Balneario 6 ist trotz gefühlter Mondpreise das angesagteste Restaurant weit und breit. Mit Sonnenuntergang beginnt hier jeden Abend die Party.

Bierkönig und Mega-Park sind die Corona-Verlierer

Mehrmals in der Saison wurde im Management darüber nachgedacht, zu öffnen. Am Ende setzte sich die Buchhaltung durch: Es lohnt sich einfach nicht. Der Partykomplex ist viel zu groß, als dass es sich mit den strengen Kapazitätsbeschränkungen hätte rechnen können. Derweil brodelte die Gerüchteküche wie in den vergangenen Jahren: Verkauf, Abriss, Neubau, Hotel. Doch diese Rechnung wurde wie so häufig ohne Besitzer Bartolomé Cursach gemacht. Der plant bereits die nächste Saison. Es heißt, es würden mehr Künstler denn je gebucht. Nur für Saufsänger sei kein Platz mehr. So will es der Zeitgeist.

„Wie im Müttergenesungsheim“, „Butterfahrt-Charakter“, „Kaffee-und-Kuchen-Atmosphäre“: Selbst Bierkönig-Ultras brauchten viel Toleranz für die Situation in ihrem „Wohnzimmer“. Die Kommentare besonders in den sozialen Netzwerken waren eindeutig. Das hielt den hartgesottensten Ballermann-Urlauber nicht davon ab, stundenlanges Warten in Kauf zu nehmen, um die kaum vorhandene Stimmung zu genießen. Der Bierkönig lebt vom Massenereignis, doch dieses Jahr musste der Partytempel in der Schinkenstraße vorsichtiger agieren als jeder andere Gastronom. Zu sehr steht er unter Beobachtung der Behörden.

Die Polizei von Palma de Mallorca ist überfordert

Es war ein Offenbarungseid. Die Policía Local hat seit jeher keinen besonders guten Ruf an der Playa de Palma, aber die Hilflosigkeit der Exekutive, als im Juni die Justiz die Ausgangsbeschränkungen kippte und die internationalen Party-Massen an den Strand drängten, sprach Bände. Auch die hinzugezogene Unterstützung der Policía Nacional bekam die feiernde Meute nicht in den Griff. So schnellte die Inzidenz in die Höhe, Mallorca wurde wieder zum Hochrisikogebiet erklärt. Doch die ganz große Katastrophe blieb aus.

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